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Fachthema: Das Schrecktraining

Dieses Thema im Forum "Training / Bodenarbeit" wurde erstellt von Flicka, 13. September 2010.

  1. Flicka
    Offline

    Flicka ...außer Konkurrenz

    Das Ziel des Schrecktrainings ist es sein Pferd gegenüber Reizen, die das Pferd normalerweise zum Flüchten animieren würden abzuhärten.
    ich bin der Meinung, dass das Schrecktraining in der Pferdeausbildung eine wichtige Rolle spielt.
    Zum einen lernt der Mensch seinerseits kennen wie sein Pferd in Stresssituationen reagiert, zum anderen kann er sich darin üben sein Pferd daraufhin dann richtig zu händeln.
    Das Pferd wiederum baut Vertrauen auf ( bei RICHTIGEM Training ) und wird in Zukunft sicher nicht mehr ganz so leicht aus der Ruhe zu bringen sein.
    Was klar sein dürfte: Man kann nicht erwarten, dass man nach einmaligem Schrecktraining ein selbstbewusstes, unerschrockenes Pferd erschaffen hat.

    Das Schrecktraining muss sehr oft wiederholt werden, die ungewöhnlichsten Situationen müssen dabei provoziert werden.
    Klar, ein Pferd ist ein Fluchttier. Doch diesen Fluchtinstinkt kann man steuern und wenn die Rangordnung RICHTIg geklärt ist und das Pferd Vertrauen zum Menschen aufgebaut hat, dann wird es nicht mehr selbst entscheiden wann eine Flucht notwendig ist sondern sich auf das Verhalten des Menschen konzentrieren.
    Beim Schrecktraining spielt also nicht nur das Pferd die Hauptrolle, sondern auch der Mensch mit seiner Körpersprache und seinem sonstigen Verhalten.
    Ich bin der Meinung, dass es Situationen gibt, in denen KEIN Pferd flüchten darf. Dazu zähle ich v.a Regenschirme, Plastiktüten bzw Planen, steigende Drachen, Straßenverkehr, Hupen etc.
    Man kann sich nicht immer darauf verlassen, dass die Mitmenschen richtig reagieren. Ich krieg immer die Krise wenn ich den Spruch höre " macht den Regenschirm zu, mein Pferd geht da ab" .
    Mit so einem Pferd würde ich keine Sekunde ins Gelände gehen. Ein Unfall ist infolge einer Verkettung unglücklicher Zustände nämlich zu schnell passiert.
    Ich glaube, der Mensch setzt viel zu oft auf seine physische Gewalt, die er auf ein Pferd ausüben kann. Ich bin aber der Meinung, dass ein Pferd IMMER mehr Kraft hat als ein Mensch und dass man Schrecksituationen nicht mit Zügelziehen angehen darf sondern einfach an den Basics arbeiten muss.

    Das Schrecktraining gehört für mich in einer Jungpferdeausbildung genauso dazu wie Longieren, Bodenarbeit usw. Eine Lücke in der Jungpferdeausbildung lässt sich später, wenn das Pferd charaktergefestigter ist, nur noch schwer schließen.

    Ein Pferd, das WIRKLICH gelernt hat, vor einer Trommel, einer Vuvuzela, dem Klappern von Blechdosen oder einem Schuss aus einer Faschingspistole nicht zu scheuen, wird auch von einer Motorfehlzündung, einem Presslufthammer oder einem Auspuffknall nicht erschrecken.
    Ein Pferd, das gelernt hat eine Plastikplane hinter sich herzuziehen oder sie auf seinem Rücken zu tragen, wird auch nicht erschrecken, wenn der Mensch beim Reiten einen raschelnden Regenumhang trägt oder auf dem Pferd anzieht.

    So, zurück zum eigentlichen Schrecktraining.
    Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, mehrere Methoden.
    Eine der mit Sicherheit wichtigsten ist die körpüerliche Desensibilisierung mit einem Gegenstand.
    Ich persönlich fange immer so an, dass ich das Pferd den "gefährlichen" Gegenstand jagen lasse. Heißt, ich nehme z.B eine Plane in die eine Hand, das Pferd in die andere hand und ziehe die Plane vor dem Pferd hinter mir her. Das Pferd soll immer zuerst merken, dass das "Ding" vor ihm wegläuft und kein Interesse daran hat es anzugreifen.
    Deswegen ist es mMn auch ein Fehler, wenn man gleich dazu übergeht körperlichen Kontakt zwischen einer Plane und dem Pferd herzustellen. Klar, aus Sicht des Pferdes wirkt das wie ein Angriff....

    Schrecktraining ist aber mit Sicherheit nicht nur die Gewöhnung an Plastiktüten o.ä.
    Ich zähle zum Schrecktraining auch noch die Gewöhnung an ungewöhnliche Geräusche.
    Z.B nerve ich meine Pferde regelmäßig mit Blechdosen und mit Raschelsäcken die ich hinterherziehe oder mit Vuvuzelas oder Musik.


    Hier mal ein paar bildliche Beispiele aus meiner Schrecktrainingsarbeit und dann bin ich gespannt auf eure Meinungen und Interpretationen zum Schrecktraining :D
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  2. Paulchen
    Offline

    Paulchen Admine & Chef de Nickes Administrator

    Wow, toller Thread und dann noch mit Fotos :applaus
     
  3. Ben
    Offline

    Ben Active Member

    Beispielhaft! Toll gemacht :huepf
    Oh ja, du hast recht....man sollte das wohl mal des öfteren üben!

    Schöne eindrucksvolle Bilder!
     
  4. henryjoecotton
    Offline

    henryjoecotton ...außer Konkurrenz Moderator

    hallo,
    flicka, du hast eigentlich alles gesagt wie es sein und gemacht werden sollte. was kann man da noch beisteuern? :daumen

    man muss möglichst jede gelegenheit nutzen, ein pferd an ungewöhnliches zu gewöhnen. als h.j. noch klein war ( :lolaway ja. auch das gab es mal), bin ich z.b. beim spazierengehen der müllabfuhr über den weg gelaufen. ich bin dann mit ihm dahin und wir haben aus nächster nähe zugeguckt, wie die mülltonnen geleert wurden. ich hab den müllleuten erklärt, dass ich dabei bin, mein pferd an alles zu gewöhnen und sie waren total nett. haben was langsamer gemacht, dafür was lauter gescheppert....
    ulla
     
  5. Anonymous
    Offline

    Anonymous Gast

    Super Flicka :) also Daumen hoch - tolle Arbeit.
    Jetzt hast Du mich auch noch inspiriert was
    ich mit Okie noch alles so machen könnte.

    Die ganzen Varianten mit der Plane hatte ich
    auch schon durch... Okie macht alles super mit,
    bis auf das wo ich ihm die Plane so über den Kopf
    ziehen kann und wir beide drunter stehen...
    da bekommt er noch Panik :D

    Wie hast Du das denn so geübt????
     
  6. squalaw
    Offline

    squalaw ...bald im Olymp

    Meiner Erfahrung nach, ist es total wichtig, selber völlig ruhig zu sein, wenn man das Pferd mit sowas Furchtbarem konfrontiert. Bei Squalaw zumindest wirkt es. Ich kann sogar galoppieren, während ich ober ihr die Plane von einer Hand in die andere nehme, ihren Hals berühre ...
    Allerdings ist sie auf dem Gebiet wirklich äußerst cool. Viel Schrecktraining hab ich nämlich nicht gemacht.
     
  7. Spanish Horse
    Offline

    Spanish Horse ...außer Konkurrenz

    Klasse Flicka, da braucht man ja nix mehr erklären. Aber ich mach zu dem noch etwas mit Luftballons z.B. auch zerplatzen, normalen Kartons in sämtlichen Größen und Farben, Sack mit leeren Dosen usw. @Katie, mach es langsam. Ich hab das ganz langsam von hinten her über den Mähnenkamm gemacht. Stück für Stück über den Kopf. Irgendwann wissen die Pferde es, dass das nix schlimmes ist, auch wenn sie gar nix mehr sehen. Fordert sehr, sehr viel Vertrauen von Pferd/Mensch ineinander. Das baut sich langsam mit der Zeit auf, man muss nur Geduld haben.
     
  8. Comtess
    Offline

    Comtess ...außer Konkurrenz

    Ich glaube Flicka hat alles gesagt was gesagt werden muss :) Echt toller Beitrag :) Ich bin da auch voll und ganz deiner Meinung.

    Pferden sollten mit sowas aufwachsen, wie du auch sagst. Regnet es, schnappe ich mir mein Pferd und einen Regenschirm und gehe spazieren... da gibt es kein Scheuen oder Angst haben - es gehört eben dazu ;)
     
  9. ananas2
    Offline

    ananas2 Turniersieger

    Also ,dass mit den über Planen laufen lassen und Pylonen und mein Pferd unter einer Plane verstecken ;) mache ich auch sehr gerne, aber was meinst du mit Musik also so ganz normale oder auch mit Geräuschen? Und wie handelst du das mit den Dosen? Das mit dem hinterherziehen finde ich ist eine super Idee werde ich denke ich auch mal ausprobieren mit einigen Sachen ;)
     
  10. henryjoecotton
    Offline

    henryjoecotton ...außer Konkurrenz Moderator

    @ananas2: du kannst die dosen auch in einen sack tun und hinter dir herziehen. das scheppert ganz ordentlich.
    ulla
     
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